„Wo wir sind, gibt es keine Provinz.“ – Interview zur Grundsteinlegung

Die Intendanten des Theaterneubaus Lukas Rauchstein und Christoph Martin Schmidt im Exklusiv-Interview!

Unsere Intendanten auf Tuchfühlung mit der alternativen Kulturszene der Stadt. Hier auch mal im Freigarten des Peter-Weiss - Hauses.

Unsere Intendanten auf Tuchfühlung mit der alternativen Kulturszene der Stadt. Hier auch mal im Freigarten des Peter-Weiss – Hauses.

1. Eine Generalintendanz braucht immer auch ein Schauspieler-Team. Hierbei handelt sich aber um eine Gruppe spezial-ausgewählter Darsteller…

ANTWORT: Da der THEATERNEUBAU nicht nur ein klassisches Vier-Sparten-Haus ist, sondern unser Bestreben auch ist, dass diese Sparten (Schauspiel, Konzert, Musiktheater, Ballett) miteinander verschmelzen und in den interdisziplinären Dialog mit anderen Kunstgenres (Bildende Kunst, Literatur, Kasperletheater, Filmkunst, Malerei, Artistik, Zirkus, Präraffaelitenforschung etc.) treten, sind die Anforderungen an das Ensemble natürlicherweise besonders hoch. Bei den Castings lag unser Augenmerk weniger auf der Qualifikation des Einzelnen, als auf Tauglichkeit in der Gruppe. Schließlich sollen die Darsteller unseren Zuschauern und Abonnenten auch Identifikationsfiguren sein! Etwa 85 Menschen haben sich im Juni beworben und wir haben 15 feste Mitarbeiter gefunden und einen Pool von fünf bis sieben Stammgästen.

2. Am 4.10. beginnt die öffentliche Präsentation eures Projektes. Wer ist der Initiator und welche Ziele werden angestrebt?

ANTWORT: Wir scheuen uns immer ein bisschen davor, von „unserem“ Projekt zu sprechen, denn das verfehlt die Sache in ihrem Kern. Der THEATERNEUBAU ist für die Menschen da, für die Hansestadt Rostock. Er macht vieles gut, was Politik und Kulturlandschaft in den letzten Jahrzehnten bis heute versäumt haben. Seit Kriegsende gab es immer nur ein provisorisches Haus mit dem Versprechen auf einen Neubau. Dieses Versprechen lösen wir jetzt stellvertretend für alle an diesem seit mehr als 40 Jahren andauerndem Prozess Beteiligten ein. Am 04.10. zunächst mit einer geistigen Grundsteinlegung, die erste große Premiere: „Meister Mill auf dem Olymp“ findet am 18.12. statt. Dass so ein Projekt nur mit tatkräftiger Unterstützung von politischer Seite und Bürgerengagement vonstatten gehen kann, muss nicht besonders erwähnt werden. Uns als Generalintendanten des Hauses kannst Du in erster Linie nach den künstlerischen Zielen fragen, die für mich klar in einer Qualität liegen die uns beispielsweise der große Frank Castorf gelehrt hat: In der so genannten Provinz so gutes Theater zu machen, dass viele Busse voll Menschen selbst aus Berlin nach Parchim fahren. Unser Versprechen ist: Wo wir sind, gibt es keine Provinz.
Kurzfristig möchten wir all unseren Zuschauern und Abonnenten ein wunderbares Eröffnungsspektakel bieten und langfristig soll sich der THEATERNEUBAU überregional und bundesweit in den Feuilletons großer Blätter etablieren, eine brennende Kerze in der Kapelle der Herzen unserer Zuschauer sein und ein echter Wettbewerber für Hanse Sail und Weihnachtsmarkt.

3. Welche Themen werden behandelt?

ANTWORT: Alle großen Themen dieser Welt! Natürlich die menschlichen Urgefühle wie Liebe, Hass, Neid, Angst, Rachsucht. Die großen Konflikte unserer Zeit politisch und gesellschaftlich. Wir werden auf der Bühne die große Tragödie erleben und uns werden vor Lachen Tränen in die Augen schießen. Alles was Theater kann, wird der THEATERNEUBAU zeigen. Und durch den interdisziplinären Ansatz noch etwas mehr…

4. Wie geht es nach dem 4.10. weiter? Können wir längerfristig mit einer Bespielung der Gewölbegalerie planen?
ANTWORT: Wir haben uns mit Herrn Methling und Herrn Brodkorb auf zunächst 3 Spielzeiten Planungssicherheit verständigt, soviel kann ich sagen, ohne Interna weiterzugeben. Und an dieser Stelle möchten wir uns auch für die Beinfreiheit bedanken, die uns seitens der Politik gewährt wird. Am 18.12. zeigen wir unsere erste große Premiere: „Meister Mill auf dem Olymp“ und nach Weihnachten gehen wir dann richtig steil.

5. Sind die Darsteller mit genügend Motivation in das Projekt gegangen? Und wie hat sich das in der Durchführungphase geändert?
ANTWORT: Wie das immer so ist, muss sich ein Ensemble zuerst finden. Da hatten wir den großen Luxus, bereits ab Juli zusammen arbeiten zu können. Viele der Darsteller haben miteinander noch gar nicht auf der Bühne gestanden. Aber Stand heute ist: Wir sind alle unglaublich heiß auf die Grundsteinlegung, es herrscht allerorts regelrechtes Lampen- und Premierenfieber!

 

Die Fragen stellte Anne Roloff.

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